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Am Anfang war das Wort. Mit diesem
Satz beginnt das Johannes Evangelium. Und jeder, der ihn hört oder
liest, erinnert sich daran. In jedem von uns klingt sofort eine Saite an.
Wie nahe wir der Wahrheit mit diesem Satz bereits sind, werden wir etwas
später sehen.
Alle Religionen, die eine Schöpfungsgeschichte
enthalten, weisen immer wieder auf die Bedeutung des Klanges für die
Erschaffung der Welt hin. Bei den australischen Aborigines wurde die Welt
mit dem Klang des Didgeridos ins Leben gerufen. Mit einem Ruf schöpft
Gott auch in der Genesis. „Und Gott sprach es werde Licht..“ Doch diese
Aufzählung wäre unvollständig, ohne einmal den heiligen
Laut Om oder Aum der östlichen Traditionen zu erwähnen.
Eine der Personen, die Ihr Lebenswerk
der Erforschung und Bewußtwerdung des Klangs und des Hörens
gewidmet haben, war Joachim Ernst Berendt. In unermüdlicher Kleinarbeit
hat er aus allen Teilen der Welt Facetten, Weisheiten und Wissen zu diesem
Themen zusammengetragen. So hieß denn neben dem Jazzbuch auch eines
seiner bekanntesten Bücher „Nada Brahma – Die Welt ist Klang.“ Doch
was hat es damit auf sich?
Der vielleicht bekannteste Lehrer in dieser uralten Tradition ist Pythagoras.
Von ihm soll der Ausspruch stammen „Das Wesen des Kosmos ist die Zahl“,
manchmal auch mit Harmonie übersetzt. Leider sind keine direkten schriftlichen
Zeugnisse von ihm erhalten, obwohl seine Spuren unübersehbar sind
und einige moderne Auffassungen der Wissenschaften perfekt vorausgeahnt
haben. Der Legende nach entdeckte er in einer Schmiede den unterschiedlichen
Klang verschieden langer Stahlstäbe. Als er darin die Grundverhältnisse
der Musik Oktave, Quinte, Quarte etc. zu entdecken glaubte, war sein Forscherdrang
geweckt. Die daraufhin beginnende Suche nach den Maßverhältnissen
der harmonischen Klangemfpindungen führten ihn zu Entwicklung des
Monochords und erstmals zu einer gemessenen Untersuchung eines menschlichen
Sinnes.
Spannen
wir auf einem Brett oder Resonanzboden eine Saite erhalten, wir ein einfaches
musikalisches Instrument, welches uns sehr tief in die innere Struktur
der Musik führen kann. Um bei den folgenden Experimenten besser vergleichen
zu können, spannen wir eine zweite Saite und stimmen sie auf den gleichen
Ton.
Werden
diese beiden Saiten nacheinander angerissen, erklingen beide in der gleichen
Tonhöhe. Wir haben die Prim oder den Gleichklang gehört und auch
erfahren. Während der Sehsinn immer nach außen führt und
gleichsam unsere inneren Überzeugungen und Muster nach außen
projiziert, führt das Hören nach innen. Unser Innerstes klingt
mit dem eindringenden Ton. Wenn wir hier die Saitenlänge mit der Tonhöhe
vergleichen, haben wir ein Frequenz- und Saitenverhältnis 1/1. Möchten
wir dieses Verhältnis nun auf einer einzelnen Saite erfahren, schieben
wir einen kleinen Holzkeil unter eine Saite und zupfen abwechselnd links
und rechts von diesem Steg an. Dabei stoßen wir auf unterschiedliche
Wahrnehmungen. Mal klingen die beiden Abschnitte harmonisch miteinander,
mal unharmonisch.
Haben
wir jedoch den Gleichklang wiedergefunden, wird unsere Saite genau in der
Mitte geteilt. Müßte man eine Strecke in der Mitte teilen und
würde dies mit Augenmaß durchführen, währe immer ein
Fehler dabei. Das Ohr dagegen jedoch läßt sich nicht täuschen.
„Die Musik ist eine verborgene
arithmetische Übung der Seele, die nicht weiß, daß sie
mit Zahlen umgeht.“ Leibniz
Vergleichen wir nun einen Abschnitt
der halbierten Saite mit unserem Ursprungston auf der anderen Saite, erleben
wir die Oktave. Als Klangerlebnis bleibt sie spannungsfrei, wiederholt
gleichsam ihren Vorgänger auf einer höheren Ebene. Messen wir
jetzt nach, hat sich die Saitenlänge halbiert, die Tonhöhe jedoch
verdoppelt. Sie verhalten sich wie 1/2 oder 2/1. Von unserem Grundton ausgehend,
bewegen sich jetzt Tonhöhe und Saitenlänge immer in entgegengesetzte
Richtungen. Wird die Saitenlänge verkürzt, steigt die Höhe
des Tones an. Nach dem gleichen Prinzip wie vorhin versuchen wir jetzt
die Erfahrung der Oktave auf einer Saite nachzuvollziehen. Wir teilen sie
in drei imaginäre Teile und schieben den Holzkeil unter das erste
Drittel. Wir hören die Oktave im Verhältnis 1/2 auf einer Saite.
Führen wir hier jedoch wieder den Vergleich mit unserem Grundton durch,
begegnen wir einer neuen Erfahrung. Der Klang unseres Grundtones gefolgt
von dem Ton mit 2/3 Saitenlänge läßt eine Spannung im Raum
stehen. Oder sollte ich besser sagen in unserem Ohr?
Bilden wir das Verhältnis von
Grundsaite zu längerer Saite, erhalten wir das Verhältnis 3/2.
Musikalisch gesehen sieht es wieder umgekehrt aus. Der Grundton steht im
Verhältnis 2 zu 3 mit unserem neuen Ton. Auf unsere normale Tonleiter
bezogen, würden wir ausgehend von dem Ton C, zu dem höher gelegenen
Ton G gelangen – der Quinte.
Gehen wir auf die Suche nach dem
Ton, der diese Spannung, die durch Anzupfen der Quinte entstanden war,
wieder schließt, werden wir zur Oktave geführt. Der Tonabstand,
der zwischen der Quinte mit 2/3 zum Grundton liegt, ist das Verhältnis
3/4 – die Quarte. Während die Quinte einen Tonraum öffnet, schließt
ihn die Quarte wieder.
Auf
diese Art und Weise können wir uns durch das ganze Reich der Töne
bewegen. Mathematisch würde der Weg folgendermaßen aussehen.
Was
wir bis jetzt gesehen haben, war nur ein ganz kleiner Ausschnitt der inneren
Struktur der Musik. Und doch baute er auf ganzen Zahlen und deren Verhältnissen
auf. Ein einfacher Schlüssel dazu ist das sogenannte Lambdoma.
Abgeleitet
von dem griechischen Buchstaben Lambda ist es eine Matrix, die einen Zugang
erlaubt zu den Verhältnissen, die die Musik ausmachen, zur Wahrnehmung
des Menschen und in die Welt der Zahlen hinein.
Zeichnen wir ein Gitternetz und
tragen auf der waagerechten Achse alle Zahlen in der Folge 1 2 3 4 5 6
usw. auf. Der Einfachheit halber hier nur bis 16. Das gleiche wird
dann mit der senkrechten Achse nach unten am linken Rand getan. Nun werden
die Kästchen in der Mitte mit den entsprechenden Verhältnissen
ausgefüllt. Im Zähler die X - Koordinate, im Nenner die Y - Koordinate.
Die zweite Zeile sieht also so aus:
1 1/1 2/1 3/1 4/1 usw. bis 16/1.
Innerhalb
dieser Matrix lassen sich jetzt markante Punkte verbinden. Auf der Diagonale
finden wir die Verhältnisse 1/1 2/2 3/3 usw. Sie alle stehen für
unseren Grundton, da sie identisch mit eins sind. Damit lassen sie sich
alle in einer Linie verbinden – einer Gleichtonlinie. Einen weitere Gleichtonlinie
läßt sich zeichnen mit den Verhältnissen 1/2 2/4 3/6 –
Der Oktave zu unserem Grundton.
Die
grafische Darstellung der Vorgänge auf dem Monochord weiter oben war
bis dahin nur eine Vereinfachung. Der Einfachheit halber habe ich nur einen
Schwingungsbogen eingezeichnet. Wenn ich eine Saite anreiße oder
spiele, klingen tatsächlich unendlich viele Töne mit, alle, die
zwischen die beiden Stege des Instruments passen. Also neben dem Grundton
mit einem Bogen der erste Oberton mit zwei Bögen. Danach folgen drei,
vier und immer mehr Auslenkungen. Die Reihe der Töne, die hier mitklingt,
heißt Obertonreihe. Sie besteht immer aus ganzzahligen Vielfachen
des Grundtones. Da die beiden Enden an den Stegen fixiert sind, passen
immer nur ganzzahlige Verhältnisse auf eine Saite.
Kehren
wir wieder zum Lambdoma zurück, so können wir neben der Gleichtonlinie
der 2/1, welche die Oktave darstellte, auch die Linie mit den Verhältnissen
1/2 2/4 3/6 etc. bilden. Es ist die Oktave, die unter unserem Grundton
liegt, ein Teil der Untertonreihe. Gleichtonlinien nach diesem Prinzip
finden wir dann bei 1/3 2/6 oder 3/1 6/2 usw. In der grafischen Darstellung
fällt jedoch auf, daß alle Linien auf einen Punkt zustreben,
der außerhalb unserer Matrix zu liegen scheint.
Dieser
Verdacht läßt sich mit einer einfachen Konstruktion bestätigen.
Wenn wir alle Linie verlängern, kommen wir zu dem Punkt 0/0, dem verborgenen
Ursprung unserer Matrix. Mathematisch gesehen ist er ein kleines Kuriosum.
Eine Zahl durch sich selber Dividiert ergibt 1. Null durch eine Zahl ist
gleich Null. Eine Zahl durch Null ist nicht definiert, hat aber den Grenzwert
unendlich. Also haben wir hier alle drei Fälle auf einmal. Null, Eins
und Unendlich.
Mit
diesem Wissen wird das Lambdoma erst richtig vollständig. Wir ergänzen
es oben um eine waagerechte Reihe 1/0 2/0 3/0 usw. unser unendlicher Pol.
Die senkrechte Achse wird links um eine Reihe erweitert: 0/1 0/2 0/3 etc.
was immer Null ergibt.
Bezogen auf die Experimente mit
dem Monochord haben wir die Diagonale, unseren Grundton, manchmal auch
Zeugerton genannt. Nach oben steigt die Tonhöhe immer mehr an. Bis
wir uns der unendlich hohen Frequenz nähern. Nach unten bewegt, mit
0/0 als Drehpunkt, spielen wir die Untertonreihe. Bis hinunter zum Stillstand.
Null. Die beiden neuen Achsen Null und Unendlich kann man auch anders bezeichnen.
Alpha und Omega – Der Anfang und das Ende. Es ist die ganze Matrix, in
der sich die Musik abspielt.
Geometrisch
gesehen können wir es noch einmal auf das Monochord beziehen. Die
obere Achse – unendlich – wird mit einem Steg verbunden, die Diagonale
mit dem anderen. Nun läßt sich jeder einzelne Ton mit dieser
Matrix konstruieren, indem wir den gewünschten Punkt, hier 15/16tel,
mit dem Ursprung verbinden und nach rechts führen. Wird die Saite
an dieser markierten Stelle abgeklemmt, erklingt genau dieses Verhältnis.
Wollen
wir die innere Struktur der Obertonreihe verstehen, zeichnen wir nacheinander
alle dazugehörigen Töne auf. Den Grundton, den 1., den 2., den
3. Reihenton. Nur die Auflösung unserer Zeichengeräte setzt hier
die Grenzen.
Nach
dem 20. Reihenton sehen wir schon die ersten Strukturen hervortreten.
Töne
mit einem gerade Faktor gehen durch den Mittelpunkt. Ungerade Töne
dagegen meiden ihn. Stellen wir das gleiche Bild nur mit den geraden und
dem Grundton dar, beginnt sich bereits ein Muster abzuzeichnen.
Die
selbe Darstellung auf 48 Töne erweitert und mit den Vielfachen von
8 dargestellt, zeigt plötzlich sehr deutlich, worum es hier geht.
Die Obertonreihe und damit die Musik ist in ihrem Inneren holographisch
oder fraktal aufgebaut. In einem Ton befinden sich zwei gleiche Oktaven,
darin wieder jeweils zwei, also vier, dann acht, dann sechzehn und so weiter.
Wenn wir in ein solches Muster hineingehen, lernen wir, wie es aufgebaut
ist. Dieses Wissen führt uns aber unweigerlich dazu, auch darüber
hinaus zu wachsen. Wenn wir wissen, daß sich in unserem Grundton
zwei gleiche Oktave befinden, zeigt sich sehr schnell, daß daneben
noch eine zweite liegen muß, die von einem tieferen Ton umschlossen
wird. Unser Monochord ist jetzt doppelt so lang. Aber auch da ist noch
nicht Schluß. Natürlich läßt sich diese Betrachtung
unendlich weit nach außen führen, genauso, wie sie unendlich
weit hinein führt. Wohl deshalb wird der Obertongesang als eine der
kraftvollsten transzendierenden Erfahrungen praktiziert und erfahren.
Es ist der gleiche Weg, den jedes
Lebewesen geht. Am Beispiel des Menschen ist die weibliche Eizelle 200
mal so groß wie eine normale Körperzelle. Nach der ersten Teilung
ist jede einzelne Zelle nur noch 100fach. Das Viererpaket je 50fach. Die
ersten Acht Zellen habe eine Größe von je 25facher Körpergröße.
Das menschliche Embryo lernt, wie Zellteilung funktioniert, um dann über
sich hinauszuwachsen, um zu zeigen und zu werden, was es gelernt hat.
Eine Ähnliche Darstellung der
Obertonreihe läßt sich jetzt an das Lambdoma anfügen und
schon zeigt sich, wie jeder einzelne Ton den wir hören konnten Teil
der Obertonreihe ist.
Aber die verschiedenen Ebenen des
Lambdomas gehen noch viel tiefer. Viele hochsensible Musiker und Medien
haben einen Zusammenhang zwischen Farben und Tönen gesehen. Synästhetiker,
können einzelne Töne sogar sehen oder auch schmecken. Sogar unsere
Sprache weiß um diese Zusammenhänge: Farbton, „Die Farben harmonieren
miteinander.“ Um nur einzelne Beispiele anzuführen. Auch unsere Aura
hat je nach Stimmung (sic!) oder Schwingung unterschiedliche Farben.
Ein
Vergleich der einzelnen Systeme zeigt teilweise recht große Unterschiede.
Das vielleicht verständlichste System stammt aus dem Buch von Hans
Cousto „Die kosmische Oktave.“ Die Grundlage für die große Übersicht
stammt von Carl Loef’s Buch „Farbe Musik und Form.“ Ohne ein System wirklich
zu bevorzugen, möchte ich hier das System von Hans Cousto verwenden.
Dabei wird jeder einzelne Ton unserer
chromatischen Tonleiter solange oktaviert, bis er den Bereich des sichtbaren
Lichtes erreicht. Damit läßt sich jeder Frequenz eine Farbempfindung
aus dem Spektrum des Lichtes zuordnen. C ist Grün, G wird als Orange
empfunden etc..
Wenn
ich das Lambdoma von 0 bis 16 benutze und jedem Ton eine Note unserer Tonleiter
zuweise, wird die Darstellung sehr schnell unübersichtlich. Fülle
ich dagegen die einzelnen Felder mit den entsprechenden Farben nach obigem
System auf, ergibt sich ein völlig neuer Blickwinkel auf dieses Bild
der Musik.
 Aber
das Lambdoma läßt sich auch in der dritten Dimension darstellen.
Jeder Ton entsprach ja einer bestimmten Wellenlänge, also einem Maß.
Damit kann man die gleiche Matrix aus einzelnen Stäben aufbauen. Der
Grundton ist 1cm lang. Der 8te Unterton 8cm, der 8te Oberton entsprechend
1/8cm.
Von der einen Seite gesehen steigen
die Wellenlängen linear an, immer in Richtung der Untertonreihe, in
der anderen hyperbelförmig, in Richtung der Obertonreihe.
Das
Grundprinzip des Lambdomas war es, zwei Töne im rechten Winkel miteinander
reagieren zu lassen. Zeichnen wir die Schwingungsformen, sogenannte Lissajousfiguren,
auf, die dabei entstehen, sehen wir die selbe Matrix wieder auf einer anderen
Ebene.
Auf diese Art und Weise lassen sich
über den selben Schlüssel sehr viele Ebenen unserer Realität
miteinander verbinden. Die menschliche DNS, das chinesische I Ging, das
Periodensystem, chemische Reaktionen (Warum sind Atomverhältnisse
immer ganzzahlig?), Planetenbahnen.... Zum Abschluß möchte ich
jedoch noch einen anderen Weg zeigen, die Zahlen.
Ausgehend
von der Lissajousdarstellung zeigen sich wieder die gleichen Strukturen.
Das Muster, was wir bei 1/2 finden, findet sich auch bei 2/4 oder eben
bei 8/16 wieder. Dabei zeigt sich, daß es Zahlen gibt, die sehr viele
Teiler haben, die Zwölf zum Beispiel, und damit sehr klare Klangstrukturen
liefern. Schauen wir dagegen links und rechts davon die Elf und die Dreizehn
an, so gibt es außer mit sich selber keine „Auflösung“. Es sind
Primzahlen. Wenn wir nun die Darstellung des Lambdomas ein letztes Mal
ändern, füllen wir jedes Feld dunkel aus, wenn das entsprechende
Verhältnis zum ersten Mal auftaucht. Kam es bereits einmal vor, so
bleibt es weiß. Am Beispiel der Diagonale wird das Feld 1/1 dunkel
dargestellt, die anderen Felder 2/2 3/3 usw. dagegen weiß. In dieser
Darstellung zeigen sich sehr schnell tieferliegende Strukturen in der Zahlenlandschaft.
Primzahlen lassen sich immer bei Plus oder Minus 1 von einem
vielfachen von 6 finden. Nicht immer, aber wenn überhaupt, dann nur
an einer solchen Position. Gegenbeispiel ist hier die 35. Eins kleiner
als 36, aber auch Produkt aus 5 und 7.
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